Gurdjieff Heute

Informationen zu Gurdjieff, J. G. Bennett und Seminaren von Bruno Martin

18.-20. November 2022

Südergellersen

Bewusste Erfahrung

In diesem Seminar werden wir uns mit der “Qualität einer Erfahrung” beschäftigen, durch Selbstbeobachtung, durch “Erfahrungen” in unserem Übungskreis. Es zeigt sich immer wieder bei den Seminaren, dass es bei allen Beteiligten recht wenig Aufmerksamkeit bei allen Aktivitäten gibt. Daran möchte ich mit euch arbeiten. Denn ohne Bemerken vieler Dinge, die wir tun, bleibt die Erfahrung leider immer oberflächlich.
Jede, jeder von uns, macht jede Sekunde, jede Stunde eine Erfahrung.
Doch unbewusste Erfahrung – also das, was ständig unbemerkt mit mir geschieht – trägt wenig zum inneren Wachstum bei. Damit meine ich auch den „Alltagstrott“, die vielen automa­tischen Abläufe und Verhaltensweisen, alle alltäg­lichen Aktivitäten wie Autofahren, einer Arbeit nach­gehen usw. Die meiste Zeit geschehen diese Aktivitäten automatisch, ohne wirkliche bewusste Teilnahme. Dieser Punkt ist nicht leicht zu verstehen, weil wir so befangen in diesen Hand­lungen sind, dass wir nicht bemerken, dass sie mehr oder weniger Routine sind und wir eigentlich gar nicht innerlich daran beteiligt sind. Selbstverständlich sind diese Routinen für das Funktionieren unserer Gesellschaft wichtig und notwendig – ich wäre froh, wenn ich mich auf die Fahrpläne von Bus, Bahn und Flugzeug verlassen kann – was heutzutage gar nicht mehr sicher ist!
Doch nur die Qualität bewusster Erfahrung kann ich in „mich“, in mein Wesen aufnehmen. Wenn Erfahrung mit mir „geschieht“, wenn ich mit offenen Augen „schlafe“, wie Gurdjieff diesen Zustand bezeichnet, dann nützt mir die Erfahrung, mag sie noch so interessant sein, nichts für mein inneres Wachstum.
Doch was ist Erfahrung überhaupt? Jeder Mensch macht eine „Menge Erfahrungen“. Alles, was wir erleben, ist eine Erfahrung. Wir nehmen ständig Sinneseindrücke auf, die vom Körper und den Neuronenaktivitäten im Gehirn in uns verar­beitet wird. Wir speichern auch eine ganze Menge davon ab und erinnern uns bei Gelegenheit oder durch bestimmte Impulse wie Gerüche oder Gefühle an diese Erfahrungen. Die meisten Eindrücke, die wir aufnehmen, werden jedoch unbe­wusst verarbeitet, das sagt auch die Gehirnforschung. Wie „wirklich“ kann dann diese „Wirk­lich­keit“ über­haupt sein?
Eine Gehirnmessung besagt jedoch nur, dass Sinnes­ein­drücke Spuren im Gehirn hinterlassen. Sie kann nichts dar­über aussagen, was wir erfahren und was diese Erfah­rungen in unserem Gehirn und Unterbewusstsein bewirken. Noch weniger kann damit die Qualität einer Erfahrung bewertet werden. Wo und wie wird die besondere Qualität abgespei­chert? Wahrscheinlich nicht nur im Gehirn, sondern im ganzen Körper, in jeder Körperzelle. Doch was geschieht mit bewussten, mit absichtsvollen Erfahrungen, die eine andere Qualität haben als unbewusste Erfahrungen? Bewusste Erfahrungen wirken intensiver, sie haben eine andere Energie als die automatische und ständige Aufnahme von Eindrücken aus der Innen- und der Außenwelt des Körpers.
Erfahrungen insgesamt sind tatsächlich nicht materiell, sie haben keine materielle „Substanz“, auch wenn sie Spuren im physischen, materiellen Körper hinterlassen.
Allein unter diesem Gesichtspunkt ist es von großer Bedeu­tung, ob Erfahrungen mit uns geschehen und ob wir positive oder negative Eindrücke und Informationen in dieses Feld gelangen lassen. Mit mehr Wachheit und Aufmerk­samkeit können wir einige Einflüsse so filtern, dass diese gar nicht die sensiblen Informationsfelder in unserem Körper erreichen. Glücklicherweise benötigen wir kein „technisches“ Instrument für diesen Filter. Wir haben die Fähigkeit zur absichtlichen, bewussten Wahrnehmung. Das Instrument dafür ist unser Bewusstsein – wenn es erwacht ist.
Und was bewirken “Erfahrungen” für unser Leben in der Welt? Wie beeinflussen sie unsere Handlungen, wie bewerten wir damit unsere Meinungen, unsere Sichtweisen, wie können wir einschätzen, welche Erfahrung der Grund für unser Handeln ist?
Innere Übungen, die wir mit der Morgenübung und Meditationen machen stimulieren die „Energie“ der Erfahrung. Daher geschieht bei jeder bewusst ausgeführten Übung auch eine Energie- und Informations­transformation, und das bedeutet, sie hinterlässt Spuren, auf denen man jedes Mal weiter aufbauen kann.
Ebenso geschieht bei der Ausführung der “Movements” eine Erfahrung, die ebenso die bewusste Energie weckt, die dann im inneren Körper gespeichert wird. Jedesmal, wenn wir eine tiefere Erfahrung mit bewusster Energie machen, wird diese “gespeichert” und “vermehrt” die bereits gespeicherte Erfahrungsenergie – wo auch immer… Deshalb können wir immer wieder an dieser Bewusstseinsqualität anknüpfen und ein gewisses “Bewusstseinskontinuum” bemerken. Mit “gewöhnlichen” Erfahrungen erinnern wir uns an bestimmte Ereignisse, doch diese Erinnerung hat nicht dieselbe Kraft wie das bewusste Feld, das wir erzeugt haben.
Vielleicht gelingt es uns in diesem Seminar diese Qualität der Erfahrung zu finden und Möglichkeiten zu erkennen, sie immer weiter zu vertiefen und sie auch in unser äußeres Handeln einbringen.

Zeit: Freitag, 18. November ab 16 Uhr bis Sonntag, 20. November 15 Uhr.
Ort: Südergellersen, Auf der Höhe 10
Seminargebühr: € 200,-
Hauskosten und Verpflegung: € 80,-
Übernachtung im Haus

13. – 15. Januar 2023

Südergellersen

Die fünf “Seins-Bestrebungen”

“Traditionell” feiern wir Gurdjieffs Geburtstag am 13. Januar – weil dieses Datum dem alten russischen Neujahrsfest entspricht (Zeitdifferenz zwischen julianischem und gregorianischen Kalender) und niemand sein Geburtsdatum kennt. Ein guter Grund den Geburtstag zu feiern ist, weil er uns eine Menge an bedeutenden Ideen und Praktiken hinterlassen hat. Ein guter Grund ist es auch, sich mit einem Kernanliegen seiner Lehre zu beschäftigen.

In einem der wichtigsten Kapitel seines großen Werks “Beelzebubs Erzählungen für seinen Enkel” schreibt er:
“Alle Wesen auch dieses Planeten fingen damals zu arbeiten an, um in ihrem Bewusstsein dieser göttlichen Funktion des echten Gewissens inne zu werden, und eigneten sich deshalb, wie es überall im Weltall geschieht, die sogenannten ‘Seins-verpflichtolnischen-Bestrebungen” an, die aus den folgenden fünf bestehen; nämlich:
Das erste Streben – in ihrer gewöhnlichen Seins-Existenz alles für ihren planetischen Körper wirklich Notwendige zufriedenstellend zu haben.
Das zweite Streben – immer ein unablässiges instinktives Bedürfnis nach Selbstvervollkommnung im Sinne des Seins zu haben.”
Das dritte – das bewusste Streben, die Gesetze der Weltschöpfung und Welterhaltung immer mehr und mehr kennenzulernen.
Die weiteren drei könnt ihr nachlesen auf Seite 409-410.
Allein diese drei Strebungen beinhalten schon reichlich “Stoff” zum Nachdenken. warum zum Beispiel war es Gurdjieff wichtig, dass wir die Gesetze der Weltschöpfung kennenlernen sollten? Und warum spricht er nicht davon, dass wir sie verstehen sollten?

Auch das zweite Streben wirft eine Menge Fragen auf: In der Jetzt-Zeit, in der alles immer schneller gehen und sein muss, zeigt Gurdjieffs Methode für jede und jeden, die sich einige Zeit darauf einlassen, dass die Transformation des ganzen Menschen keine Schnellbahn ist, sondern ein kurvenreicher Weg. Einen Weg zu gehen braucht Zeit, und der spirituelle Weg dauert ein Leben lang, er ist ein Lebensweg.

Gurdjieffs Lehre ist immer noch lebendig und weder statisch noch dogmatisch. Er hat ein spirituelles Grundgerüst entwickelt auf dem wir unserem heutigen Leben entsprechend aufbauen können. Kreative Menschen wie John G. Bennett und einige seiner Schüler wie ich, haben diese Lehre durch ihre jahrelange geistig-praktische Arbeit weiterentwickelt. Wir konnten im Tun neue Erkenntnisse gewinnen, vieles wurde dem Verständnis der heutigen Menschen angepasst, ohne die Essenz der Lehre zu verändern.

Es ist auch eine Freude zu erleben, dass es immer noch Menschen gibt, die nicht nur Bücher von oder über Gurdjieff lesen, sondern die auch heute noch die praktischen Elemente von Gurdjieffs Lehre erfahren wollen als Stärkung auf ihrem geistigen Lebensweg. Dazu gehören vor allem die inneren Übungen, mit dem Ziel der Energietransformation und der Stabilisierung und dem Wachstum des inneren Seins. Und es gibt die “Bewegungsübungen”, die choreografierten Tänze, die Gurdjieff entwickelt hat und wesentliche Elemente unseres Seins ansprechen und bei der Entfaltung des eigenen Seins starke Anstöße geben können.

Was ist das Besondere an dieser praktischen Seite von Gurdjieffs Lehre? Was ist bleibend, was muss neu gedacht werden?

Dieses Seminar öffnet Räume, um sich über viele Aspekte von Gurdjieffs Lehre ausführlich auszutauschen und auch zu hinterfragen: Was kann ich nachvollziehen, was habe ich bereits erfahren, welche Ideen sind mir nicht zugänglich?

Der Austausch im Kreis von Menschen “auf der Suche nach dem Wunderbaren” ist wichtig, weil es unterstützen kann, wichtige Aspekte dieser Arbeit gewissermaßen am “eigenen Leibe” zu erfahren.

In diesem Seminar werden wir uns intensiv mit verschiedenen Methoden beschäftigen: inneren Übungen, Wahrnehmungsübungen, Aufmerksamkeitstraining, den Movements, ausführlichen Gesprächen, Lesungen aus Schriften von Gurdjieff. Die rituelle Mahlzeit zu Gurdjieffs Geburtstag mit den Toast auf die “Idioten” u. v. m. wird mit allen Sinnen eine Ehrung seines und auch unseres Lebens sein.

Zeit: Freitag 13. Januar ab 16-17 Uhr bis Sonntag 16. Januar 15 Uhr.
Ort: Südergellersen, Auf der Höhe 10
Seminargebühr: 200,- Euro
Hauskosten und Verpflegung: 70 Euro
Anzahlung Euro 100,-, Konto wird bei Anmeldung mitgeteilt.
Freitags gibt es gute Busverbindungen nach Südergellersen.
Übernachtung in Einzel- und Mehrbettzimmern.
Anmeldung über das Kontaktformular.

10. – 12. März 2023

Südergellersen

Im Hier und Jetzt sein

Jede/r weiß, dass wir dazu neigen, unsere Aufmerksamkeit zu sehr auf die
mentalen Assoziationen und Bilder zu richten, die uns ständig vor dem “inneren Spiegel” oder auf äußeren Geräten – Computer, Smartphones usw. – in unseren Köpfen auftauchen. Dieser Zustand bringt ein Ungleichgewicht mit sich: Der Körper neigt zu Verspannungen, weil wir uns nicht in unserem eigenen Schwerpunkt befinden. Die Folge davon ist, dass unsere Aufmerksamkeit “verbraucht” wird und wir einen großen Teil unserer Zeit in einem unnatürlichen Zustand verbringen, der Ermüdung hervorruft, ohne etwas zu tun oder dass wir irgendwelche Dinge erledigt haben.

Warum ist es wichtig, im Hier und Jetzt zu sein, den gegenwärtigen “Augenblick” mit voller Aufmerksamkeit zu erfahren, zu leben? Warum haben wir sehr häufig die Wahrnehmung, dass uns etwas fehlt, wenn wir nicht in diesem Zustand sind? Weil es nur möglich ist, etwas Kluges zu tun, wenn wir im gegenwärtigen Augenblick sind! Nur im Jetzt kann etwas getan werden.

Vieles kann gemacht und erledigt werden, doch um diese Möglichkeiten auszuschöpfen, muss ich sie verwirklichen, in die Tat umsetzen. Das bedeutet, ich muss eine der vielen Möglichkeiten ins Hier und Jetzt bringen.

Wenn wir nicht in unserem Hiersein verankert sind, immer wieder ins Bewusstsein unseres gegenwärtigen Seins “aufwachen”, ist es nicht möglich, etwas “Wirkliches” zu tun, eine der vielen Möglichkeiten, die wir potenziell haben, zu verwirklichen.

Das gilt für jede praktische Arbeit ebenso wie die Arbeit mit den inneren Übungen oder den Movements. Alles davon bietet die Möglichkeit, ins Hier und Jetzt zu kommen. Wenn wir nicht “präsent” sind, können wir die Herausforderung an unseren Körper und unseren Geist nicht zufriedenstellend bewältigen.

Wir haben auch viel Zeit für Gespräche über das Thema, damit du für dich eine Klarheit gewinnst und erkennen kannst, wie wichtig es ist, immer wieder das “Gegenwärtig sein” zu üben – und wie du lernen kannst, in allen Lebenssituationen – auch im “gewöhnlichen Alltag” deine innere Präsenz aufzuwecken.

Zeit: Freitag 10. März ab 16 Uhr bis Sonntag 12. März 15 Uhr.
Ort: Südergellersen, Auf der Höhe 10
Seminargebühr: 200,- Euro
Hauskosten und Verpflegung: 80 Euro
Anzahlung Euro 100,-, Konto wird bei Anmeldung mitgeteilt.
Freitags gibt es gute Busverbindungen nach Südergellersen. Ich kann dir entsprechend helfen – oder du schaust bei HVV.de Lüneburg-Südergellersen, Georg-Cohrs-Weg (dieser Halt ist 200 m von uns entfernt).
Übernachtung in Einzel- und Mehrbettzimmern.