Gurdjieff Heute

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Intelligente Anstrengung

Es gibt für spirituell Suchende eine große Falle: das Überanstrengungs­syndrom. Die Falle ist sehr subtil, denn meist übernimmt die Persönlichkeit die Idee, aus der heraus Anstrengung oder sogar Überanstrengung erwächst und nicht das Wesen in uns. Selbst auf einem Weg zur Selbstverwirklichung sind wir vor einem egoistischen Motiv nicht gefeit.

„Arbeit an sich selbst“, „Sadhana“, „Yogapfad“, „der spirituelle Weg“ – wie immer es in einer Tradition genannt wird -, impliziert immer eine Anstrengung, ein Bemühen, eine Disziplin. Doch es ist eine besondere Art der Anstrengung: Für die Arbeit an der eigenen inneren Entfaltung sind Wachheit und Ausgewogenheit gefordert, keine verbissene, Körper und Geist einengende Anstrengung. Askese, Disziplin und Körperbeherrschung mögen ein Stück des Weges notwendig und hilfreich sein, doch jede Technik erschöpft sich letztlich durch Gewohnheit, auch durch die Zweck-Gerichtetheit. Und der Pfad ist schmal. Zwischen Ego-Erfüllung und Wesens-Erfüllung zu unterscheiden bedarf langer Selbstbeobachtung im Gurdjieffschen Sinne.

Ein Zen-Meister sagte dazu: „Es ist nicht wichtig, wie lange Du sitzen kannst. Ich habe Hühner tagelang auf Stangen sitzen sehen, und sie waren hinterher dennoch nicht erleuchtet.“ Der spirituelle Weg ist kein Leistungssport, er benötigt vielmehr die Geschicklichkeit eines Seiltänzers oder Jonglierers.

Was ist dein Lebensziel? Ich nehme an, du möchtest zuallererst gute Gesundheit bis ins hohe Alter erreichen, glücklich sein, ein Leben mit viel Wärme, Liebe und eine zufriedene Partnerschaft, gute Freunde, einen erfüllenden Beruf und keine Geldsorgen. Diesen erstrebenswerten Zielen stehen jedoch oft äußere Hindernisse entgegen. Doch die größten Hindernisse liegen in dir selbst: Unzufriedenheit mit dem, was ist. Frustration über das, was nicht ist. Selbst-Zweifel, überhöhte Ansprüche an sich selbst und andere unliebsame Eigenheiten. Vorurteile und Urteile, die aus der Selbstbezogenheit entspringen. Neid, Gier, Ängste vielerei Art sind einige Stolpersteine mehr.

„Glücklichsein“ ist vor allem ein Zustand, in dem man vollkommen mit sich eins ist, in seinem inneren Sein verankert. Eine Anleitung zum glücklichen Leben nützt nichts, wenn du nicht bereit bist, die dafür notwendigen, intelligenten Anstrengungen zu unternehmen um alle Faktoren zu überwinden, mit denen du dir selbst das Leben schwer machst.

Gurdjieff betonte, dass viele Menschen oft etwas versuchen, was „zu groß“ für sie ist und nicht das machen, was ihnen entspricht und sie mit ihrer eigenen Kraft erreichen können. Wir Menschen sind in der Lage, unser inneres Seins-Muster zu erkennen, unser Wesen. Gelingt uns das mehr und mehr, wird unser Wesen uns zum angestrebten Ziel führen. Dafür ist es notwendig, nach innen zu lauschen, bei sich zu bleiben und nicht allem nachzugehen, was von außen auf uns einwirkt und die Aufmerksamkeit vom Wesens-Weg abziehen kann. Diese kreative Anstrengung kann die Verstrickungen in „unnötiges Leiden“ verhindern und kann vom Erfüllungs-Druck befreien, bestimmte Dinge erreichen zu müssen.

Wir brauchen vor allem das Vertrauen, dass wir die Vorstellung von dem uns entsprechenden inneren Weg, der aus unserem inneren Sein kommt, verwirklichen können – und das ist ein Vertrauen an die intelligente Anstrengungskraft in uns, dem „wirklichen Ich“. Es ist anstrengend, diese kreative Intelligenz in uns immer wieder neu zu aktivieren – doch diese Art der Anstrengung kann wirklich das eigene Sein entfalten helfen.

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