Bruno Martin - Biografie


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Bruno Martin, geb. 1946, Seminarleiter, Übersetzer und Autor

Autor der Bücher „Handbuch der spirituellen Wege“ (1993/1997), „Auf einem Raumschiff mit Gurdjieff“(2000), „Zen der plötzlichen Erleuchtung" (2004), „Das Lexikon der Spiritualität (Frühjahr 2005), Intelligente Evolution (2007), Der verwirklichte Idiot (2008), Gurdjieff Praxisbuch (2008) (siehe auch „Bücher“)

Er lebt mit seiner Frau Nana Nauwald, Künstlerin (www.visionary-art.de) und Buchautorin, in der Lüneburger Heide.


 

Mein spiritueller Weg

Meine über Jahrzehnte gewachsene Bekanntschaft und Arbeit mit vielen namhaften spirituellen Lehrern vieler spirituellen Lehren und Traditionen aus aller Welt erweiterten meine Vision einer globalen und vernetzten Spiritualität, die undogmatisch und offen für alle wahrhaften Erkenntnisse sein sollte, die der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen förderlich sind.
 
Der erste Anstoß zu meiner „Reise in die Welten des Bewusstseins“ war bereits im Alter von 16 Jahren der Free Jazz und die Lebensphilosophie des Zen. Besonders die Avantgardisten der amerikanischen Literatur wie Jack Kerouac, Allen Ginsberg und viele andere „Beat-Literaten“ regten mich zur tieferen Suche an. Bücher des amerikanischen Wegbereiters neuen Denkens Alan Watts und des großen japanischen Zen-Philosophen D. T. Suzuki haben mich seitdem immer begleitet. Im Zuge der Hippie-Bewegung Ende der 1960er Jahre konnte ich auch mit psychoaktiven (oder besser: entheogenen, d.h. Geist offenbarende) Substanzen und Pflanzen wichtige Erfahrungen für meinen weiteren Weg machen. Dieses Erleben gab mir bedeutende Einsichten in Dimensionen des Bewusstseins, die man sonst erst durch viele Jahre „innerer Arbeit“ in vollem Umfange erfahren kann. Dennoch war mir bewusst, dass ohne diese innere Arbeit diese „andere Welt“ nur ein „Schleier“ vor der Wirklichkeit bleibt. Auch das Sein muss eine Entwicklung erfahren. Erst die Verbindung von „Erfahrungen mit den Welten des Bewusstseins“ und die Arbeit am Sein bringt dauerhafte Ergebnisse hervor.
 
Bestätigt wurde mir diese Tatsache, als ich 1968 mit „magischer Begeisterung“ das Buch von P.D. Ouspensky „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ studierte. Es gab mir den bedeutenden Anstoß, mich auf die Suche nach einer „Schule des Vierten Wegs“ zu machen, d. h. eine Schule oder Lehrer zu finden, bei denen ich die Methoden der Harmonischen Entwicklung lernen konnte.
 
Zuerst unternahm ich eine Reise nach Indien durch die Türkei, Iran und Afghanistan und besuchte 1970 den großen deutschen Lehrer des Tibetischen Buddhismus Lama Anagarika Govinda in seinem Haus in Almora (Indien), wo ich einige Zeit seinen Lehren über den tibetischen Buddhismus lauschte. Während der Zeit in Indien lernte ich auch Shunyata kennen, einen zurückgezogen lebenden Sannyasin, durch den ich die Advaita-Vedanta-Lehre kennenlernte.
 
Auf meiner weiteren Suche kam ich schließlich 1971 in England in Kontakt mit John G. Bennett, auf dessen „Akademie für lebenslanges Lernen“ (Acadamy for Continous Education) in Gloucershire, England, ich nicht nur die Gurdjieff-Philosophie und Gurdjieffs Methoden lernte, sondern auch viele Facetten des Buddhismus. Denn mein Lehrer John G. Bennett (1897-1974) hatte sich ebenfalls intensiv mit dem Buddhismus beschäftigt und konnte den Pali-Kanon, die Urtexte des Buddha, im Original lesen. Außerdem lehrte er auch die Praxis des Vipassana. Auf der Akademie hatte ich außerdem die Gelegenheit, für eine längere Zeit an intensiven buddhistischen Meditationen teilzunehmen, geleitet vom Gründer des einzigen buddhistischen Kloster in Delhi (Indien) Bante Dharmaveera, der damals schon um die 80 Jahre alt war und vor wenigen Jahren im Alter von 109 Jahren in Kalifornien starb. Danach beschäftigte ich mich weiter mit chinesischer und japanischer Zen-Philosophie, insbesondere den Werken von D. T. Suzuki und Wilhelm Gundert.
 
In den 1980er Jahren hatte ich intensiven Kontakt mit westlichen und östlichen Sufi-LehrerInnen, wie Reshad Feild, Irina Tweedie, Idries Shah, Suleiman Dede, Scheich Muzaffer, Salah Eid u.a. Da die Sufi-Lehre auch in Gurdjieffs Lehre mit eingeflossen ist, war es nahe liegend, diese stärker zu erforschen. Einige dieser Methoden und Gedanken flossen so in meine Arbeit.
 
Auch der enge Kontakt mit dem Religionsphilosophen Arnold Keyserling und seiner Frau Wilhelmine, die beide 1948 bei Gurdjieff in Paris waren, regte meine systemische Beschäftigung mit der geistigen Welt aller spirituellen Traditionen an.
 
Seit 1974 lehre ich in eigenen Gruppen Gurdjieffs „Heilige Tänze“ und die Philosophie und Methoden von G.I. Gurdjieff und John G. Bennett, die ich so im Laufe der Zeit immer besser verstehen lernte und auch für mich weiter entwickeln konnte. Ich blieb in Kontakt mit wichtigen Schülern von Bennett, insbesondere dem kürzlich verstorbenen Pierre Elliot und mit dem Physiker Anthony Blake, der mir immer wieder wichtige Anstöße geben konnte. Das Gedankengut des Zen floss darüber hinaus immer wieder in meine Arbeit ein – auch wenn die meisten Teilnehmer dies kaum wahrnehmen. Denn die Praxis der "Gurdjieff-Arbeit" beruht auf wesentlichen Methoden der „Schulen des Augenblicks“, wie sie auch von den Zen- und Sufi-Meistern gelehrt werden.
 
In den siebziger und achtziger Jahren lernte ich einige vom Zen und Buddhismus inspirierte japanische Lehrer kennen wie Kishi und Michio Kushi. Ich nahm viele Übungstechniken auf und entwickelte sie durch eigene Erkenntnisse und Forschungen weiter. So lernte ich auch das Qigong kennen, das sich gut mit dem rituellen Tanz und täglicher Meditationspraxis verbinden lässt.
 
Durch meine Frau Nana Nauwald kam ich in engen Kontakt mit dem Schamanismus und lernte die „Ekstatische Trance“. Durch sie kamen auch einige Schamanen und Schamaninnen zu uns und ich konnte einen Einblick in die Welt des schamanischen Bewusstseins und die schamanische Weltanschauung gewinnen.
 
Alle diese intensiven Erfahrungen und Berührungen mit Techniken der Seins- und Bewusstseinsentwicklung, die vielfältige Kombination von Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungstraining mit inneren Übungen der Bewusstseinsschulung und Energietransformation bringt einen Menschen immer wieder in Situationen, die eine "plötzliche Erleuchtung" auslösen. Je mehr der Praktizierende diese "Geistöffnung" erfährt, je stärker wird das innere Wesen gefestigt und führt schließlich zur Erkenntnis der wahren Natur des Geistes, die Gurdjieff „objektives Bewusstsein“ nennt, sowie auch vom Zen und dem Buddhismus im Allgemeinen angestrebt wird.
 
Ich sehe heute die Verbindung von Wahrnehmungs-, Bewegungs- und Meditationsübungen für eine zeitgemäße „Zen-Yoga-Praxis“, die zu einer Umwandlung des menschlichen Seins führt, in der der Strom des reinen Geistes seinen dauerhaften Platz gewinnt.
 
© 2005 Bruno Martin. Veröffentlichung dieses Textes in Teilen oder auch ganz bedarf der ausdrücklichen Genehmigung des Autors.