Gurdjieff Heute

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Gegenwärtigsein als Mittel zur Stressreduktion

Unsere Aufmerksamkeit wird andauernd von gedankli­chen Assoziationen und Bildern im Kopf, die ständig in uns herumschwirren, abgezogen. Dieser Umstand führt schnell zu einem körperlichen Ungleichgewicht, der Körper oder Körperteile beginnen sich zu verspannen. Das zieht Energie ab und wir werden müde, auch wenn wir sonst nichts tun. Dabei sind wir gespalten zwischen ziellosen Gedanken und Emotionen. Es kommt auch häufig vor, dass das Denkzentrum immer wieder irgend­welche Gespräche wiederholt, die wir geführt haben, oder noch schlimmer: Es wiederholt ständig Angelegenheiten, mit denen wir uns beschäftigt haben oder beschäftigen müssen. Häufig rattert das Hamsterrad auch in unserem Kopf, wenn wir einschlafen wollen, so dass wir keinen Schlaf finden.
Um Gegenwärtig zu sein, müssen wir einen Weg finden, diese inneren Stressfaktoren abzustellen. Daselbe gilt für äußere Stressfaktoren: Vielem sind wir ausgeliefert: Aufgaben, wie wir unter Zeitdruck bewältigen müssen, Lärm von Außen, emotionale Spannungen mit anderen Menschen und vieles mehr.
Es ist nicht leicht, gedankliche Assoziationen zu bremsen, weil sie – wenn einmal in Gang gesetzt – vom Gehirn immer weiter bearbeitet werden. Daher ist es wichtig zu lernen, den vielen Gedankenabläufen im Kopf, den ständig wechselnden Bildern und sonstigen Gehirnaktivitäten keine Aufmerksamkeit zu schenken.
Eine hilfreiche Übung dazu ist, den Schwerpunkt vom Denkzentrum in die Mitte der Brust zu bringen, in den Bereich zwischen Kehlkopf und Solar Plexus, in das, was wir Gefühls- oder Wesenszentrum nennen.
Von diesem Bereich aus können wir ein Gleichgewicht zwischen der körperlichen und mentalen Aktivität her­stellen. Damit werden auch die Spannungen im Körper und im Kopf abgebaut. Es ist zudem hilfreich, bewusst in dieses Zentrum hineinzuatmen mit dem Gedanken: Ich bin bei mir selbst, ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen. Wir leiten nichts in diesen Bereich »hinein«, sondern erwecken die sensitive Energie, die dort latent vorhanden ist. Wichtig ist dabei, das klare Gefühl zu entwickeln: »Ich bin hier präsent, in mir selbst verankert.«
An diese Übung sollten wir uns immer wieder er-innern, weil sie uns in unseren »normalen« Seinszustand bringt, den ausgeglichenen, harmonisch synchronisierten Zustand aller Zentren. In diesem Zustand des Gegen­wärtigseins und des inneren Gleichgewichts können wir dann auch initiativ werden. Das bedeutet, wir sind in der Lage, uns von den unbewussten Schwankungen und dem damit verbundenen körperlichen und emotionalen Unwohlsein und den Muskelverspannungen frei zu machen. Auf diese Weise kommen wir auch wieder in Kontakt mit dem eigenen Zentrum.

Die im Video angeleitete Übung kann helfen, diesen Zustand herzustellen.

Weitere Anregungen und Übungen zu diesem Thema findest du in meinem „Gurdjieff Praxisbuch 2“